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Keine Entwarnung in Sachen Einbruch

28. März 2017

Bericht des GDV (Gesammtverband der Versicherungswirtschaft)

Die Einbruchszahlen sind im vergangenen Jahr in einigen Bundesländern gesunken. Für unsere Arbeit ist der Zwischenstand erfreulich, aber letztlich unerheblich: Jetzt nachzulassen in den Bemühungen um mehr und bessere Prävention, wäre fatal. Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Fast 16 Prozent weniger Wohnungseinbrüche wurden in Deutschlands größtem Bundesland im Jahr 2016 verübt. Das hat unlängst das Innenministerium Nordrhein-Westfalens bekannt gegeben. Auch in Berlin zeigt sich ein Rückgang der Delikte. Das sind gute Nachrichten – und ist gleichzeitig ein Politikum im aufziehenden Wahlkampf, bei dem das Thema Innere Sicherheit naturgemäß verfängt.

Aber sprechen diese Nachrichten auch für einen Trend? Wir wissen es noch nicht. Die Zahlen der bundesweiten polizeilichen Kriminalstatistik kommen – zeitnah zur Statistik des GDV – erst im Mai. Ein Rückgang auf Bundesebene wäre schon bemerkenswert: 2015 hatte die Zahl der versicherten Einbrüche immerhin den höchsten Stand seit 2003 erreicht. Rund 160.000 Mal wurden Wohnraum aufgebrochen und Wertsachen entwendet – oder es zumindest versucht. Dafür leistete unsere Branche eine Rekordsumme von 530 Millionen Euro an die Kunden. Würde sich nun eine Wende abzeichnen, spräche das wohl dafür, dass das Thema Einbruchsschutz, für das sich unsere Branche seit Jahren stark macht, augenscheinlich in der Bevölkerung angekommen ist.

Die Fallzahlen sind so oder so viel zu hoch

Wir sollten uns deshalb aber nichts vormachen: Es soll nicht sarkastisch klingen, aber für unsere Arbeit ist es im Grunde genommen unerheblich, ob die Einbruchszahlen 2016 gesunken sind. Es wäre fatal, deshalb in den Bemühungen um mehr Prävention und Einbruchsschutz nachzulassen. Die Fallzahlen sind so oder so viel zu hoch, die Aufklärungsquoten stehen dazu im krassen Missverhältnis. Das gilt erst recht, wenn man neben den ökonomischen, auch die massiven psychologischen Folgen bedenkt, die jeder Einbruch für die Bewohner mit sich bringen kann.

Einbrechern wird es in Deutschland häufig zu leicht gemacht. Dies liegt vor allem daran, dass die in Fenster und Türen eingebaute Sicherungstechnik oft nicht auf dem neuesten Stand ist. Der mechanische Einbruchschutz sollte deshalb weiter an erster Stelle der Investitionen stehen. Erst wenn mechanische Schutzmöglichkeiten ausgereizt sind, sollte über neue „Smart Home-Lösungen“ oder noch besser eine zertifizierte Alarmanlage nachgedacht werden. Was nützt die beste Überwachungstechnik, wenn der Täter trotzdem in die eigenen vier Wände eindringen konnte?

Wir brauchen eine bundesweite Regelung in den Bauvorschriften

Bei Neubauten werden in Deutschland einbruchhemmende Fenster und Türen nicht standardmäßig eingebaut. Die Folge: Sie lassen sich in wenigen Sekunden aufhebeln. Nur wenn die Politik flächendeckend Anforderungen für den Einbruchschutz verbindlich vorschreibt, kommen wir voran. Versicherer fordern deshalb eine bundesweite Regelung in den Bauvorschriften. Diese soll die Mindestanforderungen für neu eingebaute Fenster und Türen definieren, um damit wirksam den Einbruchschutz zu erhöhen. In Österreich oder den Niederlanden hat man bereits gute Erfahrungen damit gemacht.

Doch jede Prävention hat technische und finanzielle Grenzen. Sie ersetzt keine Polizeiarbeit. Strafverfolgung und Aufklärung brauchen daher ebenfalls unsere Aufmerksamkeit und müssen ausreichend finanziert und personell ausgestattet sein.

Viele weitere Probleme sind noch ungelöst. Mieter stoßen immer wieder auf taube Ohren ihrer Vermieter, die der Installation von Sicherungstechnik nicht zustimmen wollen. Ganz zu schweigen davon, dass auch die Täter nicht schlafen: Natürlich passen sie Einbruchstechniken an neue Gegebenheiten an. Schon deshalb müssen wir die Prävention nachhaltig verfolgen, statt nur zu reagieren.

Viele Menschen verändern ihr Verhalten erst nach einem Einbruch

Auch in Zukunft werden wir daher Schäden analysieren, auf geeignete Sicherheitstechnik hinweisen und unsere Kunden beraten. Tipps, wie Sie sich vor Einbrechern schützen können, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Aufklären und beraten ist das eine, entsprechend handeln das andere. Leider zeigt unsere Erfahrung, dass viele Menschen das Thema verdrängen und ihr Verhalten erst nach einem Einbruch verändern. Versicherer begrüßen deshalb alles, was diesen Kreislauf durchbrechen kann. Beispiel: 2017 stehen wieder Fördermittel der Bundesregierung für den Einbau von einbruchshemmender Technik zur Verfügung. Die stießen bereits im vergangenen Jahr bei der Bevölkerung auf so großes Interesse, dass die bereitstehenden Mittel schon im September 2016 erschöpft waren. Deshalb wurden die Zuschüsse zu Recht aufgestockt: Für das Jahr 2017 stehen 50 Millionen Euro extra für Einbruchschutzmaßnahmen zur Verfügung – fünf Mal so viel wie im Vorjahr.

Beeilen Sie sich mit Ihrem Antrag – bevor der Topf leer ist.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth


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